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Personalratswahlen 2021Interview mit Olaf Bogdan

Interview mit Olaf Bogdan, derzeitiger Personalratsvorsitzender des Eigenbetriebs Kindertages­einrichtungen Dresden und Spitzenkandidat der GEW Sachsen für die Personalratswahl im EB Kita.

01.04.2021 - e&w - (E&W Sachsen – Ausgabe 04 / 2021)

Lieber Olaf, die vergangenen fünf Jahre der letzten Legislaturperiode des Personalrats waren sehr ereignisreich.

Wenn du zurückblickst: Was ist dir persönlich am eindrucksvollsten in Erinnerung geblieben?
Der Personalrat hat in den letzten Jahren vieles gut und manches sogar sehr gut gemacht, zum Wohle der Beschäftigten und der Dienststelle. Dankbar denke ich an die vielen Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen aus unseren Kitas und der Verwaltung zurück. Es ist in tolles Gefühl, wenn andere einem Vertrauen entgegenbringen und die Angebote des Personalrates annehmen und für sich wertschätzen zu wissen. So empfand ich meine Arbeit überwiegend auch als erfüllend und gewinnbringend.

Und was waren die größten Herausforderungen für euch als Gremium?
Es macht nicht immer nur Spaß, Personalrat zu sein. Denn als gewählte Interessenvertretung der Beschäftigten ist man manchmal auch dazu verdonnert, den Finger beherzt in die Wunde zu legen. Das gefiel unserer Dienststelle, also der Betriebsleiterin und den ihr unterstellten Führungskräften, nicht immer. Nicht gerade im Sinne des Leitbildes unseres Eigenbetriebes mussten wir so manch verbalisierte Retourkutsche einstecken und aufpassen, dass man uns und unsere Arbeit nicht in Grund und Boden redet. Die größte Herausforderung war die, in allen Gesprächen und Verhandlungen sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, stets die Sachebene zu wahren und dem Gegenüber gleichzeitig die Hand zu reichen.

Erstmalig hat der Personalrat des EB Kita ein Einigungsstellenverfahren mit der Dienststelle geführt. Kannst du kurz erläutern, was das ist und worum es ging?
Dass es bei uns heute eine Dienstvereinbarung zum Umgang mit Überlastungsanzeigen gibt, ist das Ergebnis eines kommunikativen Einigungsstellenverfahrens. Mit Ausdauer und der festen Über­zeugung, das Richtige zu tun, haben wir bei dem Thema Überlastungsanzeigen in der Landeshaupt­stadt echte Pionierarbeit geleistet. Nachdem unser Initiativantrag zum Abschluss einer Dienstvereinbarung von der Betriebsleiterin mehrmals und ohne eine nachvollziehbare Begründung abgelehnt wurde, entschied der Personalrat, die Einigungsstelle anzurufen. Dieser Einigungsstelle stand ein von der Stadt Dresden vertraglich verpflichteter externer Richter vor, dessen einzige Aufgabe es war, die beiden Verhandlungspartner zu einem Ergebnis zu führen. Zu einem von ihm einberufenen Termin kam eine kleine Gruppe mit Vertreter*innen der Dienststelle und des Personalrates zusammen. In fünf Stunden zäher Verhandlung wurde noch einmal das Für und das Wider einer solchen Dienstvereinbarung abgewogen. Doch am Ende konnte die neu geschaffene Dienstvereinbarung unterzeichnet und eine Einigung erzielt werden.

Der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen Dresden ist der größte kommunale Arbeitgeber für pädagogische Fachkräfte in Sachsen. Welche besonderen Herausforderungen sind damit verbunden – gerade auch für euch als Personalräte?
Welche Anforderungen die derzeit allgegenwärtige Pandemie noch an uns stellen wird, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen. Dass wir Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes weder im ersten noch im zweiten Lockdown von Kurzarbeit betroffen waren und unser normales Entgelt beziehen durften, war ein Privileg. Sorgen bereiten mir die Langzeitwirkungen der Corona-Pandemie, die sich in einer schlechteren Finanzierung der frühkindlichen Bildung niederschlagen könnten. Blicke ich auf den aktuellen Doppelhaushalt in Sachsen oder den Haushalt der Stadt Dresden, der momentan Kürzungen in Höhe von 50 Millionen Euro im Bildungsbereich vorsieht, dann wird mir bewusst, dass wir diese Herausforderungen nur mit einer starken Bildungsgewerkschaft an der Seite angehen können.

Worin siehst du die größten Herausforderungen für die Personalratsarbeit in den kommenden fünf Jahren?
Man sagt: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“. Auf Gedeih und Verderb gehören Betriebsleiterin, Personalrat und Beschäftigte als eine große Dienst- und Arbeitsgemeinschaft zusammen und brauchen einander. Wir sollten die reale Begegnung mit Blickkontakt stets höher achten als den leichtfertigen Austausch über die verschiedenen Social-Media-Kanäle. Nur so können wir die in unserem Wahlprogramm gesteckten Ziele gemeinsam erreichen. Die größte Herausforderung ist für mich daher die, einander wahrzunehmen, wertzuschätzen und zuzuhören.

Die Liste der Kandidierenden der GEW Sachsen für den Personalrat des EB Kita umfasst insgesamt 21 Personen. Wer sind sie und was muss man mitbringen, um als Personalrat zu kandidieren?
Die Kolleginnen und Kollegen, die im Mai für unseren Personalrat kandidieren, bringen ihre Erfahrungen aus sehr vielfältigen Einrichtungen und Arbeitsfeldern mit. Das sind engagierte Erzieher*innen und qualifizierte Einrichtungsleiter oder Sozialpädagog*innen einzelner Handlungsprogrammkitas.
Auf dieses Kompetenzteam aus jungen und erfahrenen Frauen und Männern bin ich schon heute mächtig stolz, denn das Beste an uns ist das Wir. – Wir haben das Zeug, für alle Beschäftigten im EB Kita zu einem starken Rückhalt für gute pädagogische Arbeit zu werden.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch viel Erfolg bei der Wahl!