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Ein Prozess in Prag – Das Volk gegen Rudolf Slánský und Genossen

Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Jan Gerber

Eine Veranstaltung der DGB-Hochschulgruppe Leipzig, empfohlen von der Jungen Aktivengruppe der GEW Leipzig

Angesichts der aktuellen Lage wird die Veranstaltung ins Digitale verlegt. Bei Interesse bitte eine kurze E-Mail an die DGB-Hochschulgruppe Leipzig schreiben, daraufhin werden wir die Zugangsdaten übermitteln. Wir freuen uns auf eine anregende Veranstaltung und lebhafte Diskussion!

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Vor siebzig Jahren, im November 1952, fand in Prag der letzte stalinistische Schauprozess statt. Vierzehn hochrangige Funktionäre des Staats- und Parteiapparats der Tschechoslowakei, darunter Rudolf Slánský, der vormalige Generalsekretär der Kommunistischen Partei, wurden beschuldigt, sich gegen die volksdemokratische Ordnung verschworen zu haben. Elf von ihnen wurden zum Tode verurteilt und kurz darauf gehenkt. Der Slánský-Prozess unterschied sich nicht nur in seiner Größendimension von den anderen politischen Prozessen des beginnenden Kalten Kriegs, sondern auch durch seinen offen antisemitischen Charakter. Die Mehrheit der Angeklagten war jüdischer Herkunft; parallel zum Tribunal wurden Juden aus allen mittleren und höheren Positionen des Staats- und Parteiapparats der Tschechoslowakei und vieler anderer Staaten des sowjetischen Machtbereichs verbannt. Aus der DDR flohen hunderte Jüdinnen und Juden in den Westen, weil sie Angst vor erneuter Verfolgung hatten.

Dennoch ging der Slánský-Prozess nicht allein auf die Initiative der Sowjetunion und ihren Interessenwandel im Nahen Osten – weg von Israel, hin zu seinen arabischen Nachbarstaaten – zurück. In ihm verschafften sich zugleich die Nationalitätenkämpfe der Zwischenkriegszeit, die komplizierte Akkulturationsgeschichte der böhmischen und mährischen Juden und die Erfahrung der deutschen Okkupation Ausdruck. Auf einer verborgenen Ebene steht der Slánský-Prozess zudem für das Ende der Geltungskraft des Begriffs der Klasse, der in der Zwischenkriegszeit entscheidend zur Anziehungskraft des Kommunismus auf junge Jüdinnen und Juden beigetragen hatte.

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PD Dr. Jan Gerber ist leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Leipzig. Zuletzt von ihm erschienen: Karl Marx in Paris. Die Entdeckung des Kommunismus, München: Piper 2018; Ein Prozess in Prag. Das Volk gegen Rudolf Slánský und Genossen, 2. Auflage, Göttingen/Bristol: Vandenhoeck & Ruprecht 2017.

Termin
20.01.2022, 18:00 - 20:00 Uhr
Veranstaltungsort
DSGVO-konformes Videokonferenzsystem
Zugangslink wird nach Anmeldung zugemailt
Teilnahmebeitrag
kostenfrei
Anmeldestatus
offen für Mitglieder und Interessierte
Anmeldeschluss
20.01.2022
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Ansprechpartner_in
Janis Klusmann
Referent Organisationsentwicklung/Jugend
Nonnenstraße 58
04229 Leipzig
0341 4947-409
0172 3761094