GEW Sachsen
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Tarifrunde TVöD 2020Über 400 Erzieher*innen beim Warnstreik in Leipzig

Über 400 Erzieherinnen und Erzieher der Stadt Leipzig folgten dem Aufruf der GEW Sachsen zum Warnstreik, zwei Drittel der städtischen Kitas und Horte wurden bestreikt

16.10.2020

Die GEW Sachsen hatte für den heutigen Freitag die kommunalen Beschäftigten der Stadt Leipzig, insbesondere die Erzieherinnen und Erzieher an Kitas und Horten, zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Über 400 folgten diesem Aufruf und registrierten sich bei der GEW. Insgesamt wurde an zwei Dritteln der städtischen Kitas und Horte gestreikt. Betroffen waren genau 76 von 113 Einrichtungen. 42 dieser Einrichtungen, also über ein Drittel, blieben aufgrund des Streiks geschlossen. Aus Infektionsschutzgründen führte die GEW Sachsen keine Streikkundgebung durch.

„Gerade in Leipzig ist der Personalmangel groß. Das spüren die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas und Horten jeden Tag. Sie leisten täglich eine wichtige Arbeit für Kinder, deren Eltern und unsere Gesellschaft. Gerade während der Pandemie ist die Verantwortung und die Belastung nochmal deutlich gestiegen. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Arbeitgeber dies honorieren”,

erklärt Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen.

Die GEW Sachsen erwartet zudem eine Angleichung der Arbeitszeit in Ost und West: Dazu Uschi Kruse:

„30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es dringend an der Zeit im öffentlichen Dienst auch die Einheit bei der Arbeitszeit herzustellen.“

Diese muss endlich von derzeit 40 Stunden auf 39 Stunden, wie im Tarifgebiet West, abgesenkt werden.

Zum Hintergrund:
Die Gewerkschaften hatten zum Beginn der Corona-Pandemie vorgeschlagen, die Tarifrunde für die kommunalen Beschäftigten sowie für die Beschäftigten des Bundes (TVöD) zu verschieben. Dies wurde von der Arbeitgeberseite abgelehnt. Auch nach zwei Verhandlungsrunden am 1. September sowie am 19./20. September legten sie jedoch kein Angebot vor. Die GEW verlangt 4,8 % mehr Gehalt, mindestens jedoch 150 Euro. Außerdem soll die Arbeitszeit nach 30 Jahren deutscher Einheit endlich auch im Osten auf 39 Stunden pro Woche festgelegt werden.

Warnstreik in städtischen Kitas in Leipzig

Nun muss ich mein Kind schon wieder allein zu Hause betreuen und dabei versuchen zu arbeiten?

Ja, denn es ist wichtig – auch für unsere Kinder. Und gerade jetzt.

Die Stadt Leipzig hat einen Fachkräftemangel an Erzieher*innen. Dieser verhindert momentan, dass die nach und nach fertigwerdenden Kitas ihren Betrieb regulär aufnehmen können: Es fehlt also trotz Kitaneubauten immer noch an Kita-Plätzen für unsere Kleinen. Kein Erzieher*in – keine Aufnahme möglich…

Dieser Fachkräftemangel herrscht auch, weil der Beruf des Erziehers mit den derzeitigen Arbeitsbedingungen viele (junge) Menschen nicht anspricht. Zuviele Kleinkinder pro Erzieher_in, niedrige Ausstattungen der Kitas, dazu wenig Gehalt und kaum Aufstiegsmöglichkeiten – das ist kein Ausdruck dafür, wie wichtig dieser Beruf für unsere Gesellschaft ist (Stichwort: systemrelevante Berufe). Gutbezahlte, und sich damit in ihrem Beruf auch wohlfühlende, Erzieher_innen gehen mit (noch) mehr Engagement an die Arbeit mit unseren Kindern!

Deswegen möchten wir die streikenden Erzieher_innen hiermit in ihren Forderungen unterstützen!! Helft mit. Es ist im Sinne unserer Kinder!


Quelle: www.leipziger-kita-initiative.com