GEW Sachsen
Du bist hier:

Schuljahr 2021/22Der Krisenmodus geht weiter – nicht nur wegen Corona

Mit Blick auf das am kommenden Montag beginnende Schuljahr 2021/22 verweist die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen darauf, dass ein verlässlicher Präsenzunterricht in der Corona-Pandemie die Beteiligung der gesamten Gesellschaft sowie die Bereitstellung der notwendigen personellen und sächlichen Bedingungen erfordert.

01.09.2021

Durch vorhandene Impfungen, Tests und einheitlichen Regelungen zur Maskenpflicht an Schulen ist Sachsen in diesem erneuten Pandemie-Schuljahr besser aufgestellt als 2020. Gleichwohl ist die Gesamtaussicht nicht ermutigend. Bedenken hat die GEW Sachsen in erster Linie wegen der Impfquote in der sächsischen Bevölkerung aber auch in Hinblick auf die Personal- und Sachausstattung der Schulen.

Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft: „In dem Bundesland mit der niedrigsten Impfquote betrachten wir mit großer Sorge die Infektionszahlen unter Kindern und Jugendlichen in anderen Bundesländern, in denen das Schuljahr bereits begonnen hat.“

Dabei sind auch vom Standpunkt der Bildungsgerechtigkeit her die Schulbesuchspflicht und der Präsenzunterricht zu begrüßen. Jetzt kommt es jedoch darauf an, die Lehrkräfte und Schulleitungen vor Ort zu unterstützen und vor Mehrbelastungen zu schützen. Eine parallele Fernbeschulung von Schülerinnen und Schülern in Präsenz und in Quarantäne wird künftig kaum mehr möglich sein. Die Gründe dafür liegen auch in Versäumnissen bei der Personalpolitik der Vergangenheit.

„Auch in diesem Jahr sind die Schulen nicht bedarfsgerecht ausgestattet. Der Lehrkräftemangel, mit dem wir in dieses Schuljahr starten, erschwert präsenten und verlässlichen Unterricht in einer Pandemie erheblich.“, so Kruse weiter.

Die Neueinstellungen in diesem Schuljahr ersetzen gerade die ausgeschiedenen Lehrkräfte. Weder die größere Anzahl an Schülerinnen und Schülern, noch die dringend benötigte Vertretungsreserven oder die zwingend notwendigen individuellen Förderungsangebote werden personell abgedeckt. Hier muss dringend nachgesteuert werden. Eine weitere Überlastung der Lehrerschaft ist schon deswegen ausgeschlossen, weil langfristig negative gesundheitliche Auswirkungen zu befürchten sind.

Unzureichend ist zudem die Ausstattung der Schulen mit Luftfilteranlagen. Eine Mitgliederbefragung der GEW Sachsen hat gezeigt, dass das Lüften der Klassenräume vielerorts nicht umsetzbar ist. Die Gründe dafür reichen von Fenstern, die sich nicht öffnen lassen bis hin zu Verkehrslärm oder niedrigen Temperaturen. Vor diesem Hintergrund ist die zögerliche Haltung des Sächsischen Kultusministeriums bei der Anschaffung von Luftfiltern an Schulen unverständlich.

Kruse: „Es ist inakzeptabel, auf der einen Seite auf Präsenzunterricht zu setzen und auf der anderen Seite nicht konsequent in gute Luft zu investieren. Das Kostenargument darf bei der Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Beschäftigten an den Schulen keine Rolle spielen.“