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Schule Unterstützungsangebote für Lehrer*innen mit internationalen Abschlüssen

In Sachsen fehlen Fachkräfte. Im Bildungsbereich zeigt sich das in den Schulen unter anderem in Form von Stundenausfall und Überlastung von Lehrer*innen. Während dem Fachkräftemangel beispielsweise in den Bereichen Wirtschaft und Medizin mit der gezielten Unterstützung international ausgebildeter Menschen begegnet wird, fehlen im Bildungsbereich derartige Bemühungen: Lehrer*innen mit nicht in Deutschland erworbenen Abschlüssen werden noch nicht als ein Teil der Lösung für das Problem Lehrer*innen-Mangel gesehen.

12.01.2022 - Lisa Gulich und Irene Sperfeld, RefAMI (E&W Sachsen - Ausgabe 01/2022)

Und dies, obwohl viele von ihnen langjährige Berufserfahrung mitbringen und mehrsprachig sind – und sogar gewillt, im ländlichen Raum zu arbeiten, um wieder in ihrem Beruf arbeiten zu dürfen und ihrer Berufung nachgehen zu können.

Wie funktioniert die Anerkennung der Gleichwertigkeit des Abschlusses als Lehrer*in Sachsen? Wo gibt es Unterstützung und Vernetzungsmöglichkeiten?

Die GEW Sachsen berichtet schon seit einigen Jahren immer wieder von Schwierigkeiten, die sich im Anerkennungsprozess international ausgebildeter Lehrer*innen ergeben. In einer Kooperation des Referates Antidiskriminierung, Migration und Internationales mit dem IQ Landesnetzwerk Sachsen, ist nun eine Übersicht zu Unterstützungsangeboten für Lehrer*innen im Anerkennungsverfahren entstanden. Entlang von Fragen, die sich den Antragstellenden in den verschiedenen Phasen des Anerkennungsprozesses stellen, werden Unterstützungsangebote aufgezeigt. Einige dieser Unterstützungsangebote sollen im Folgenden exemplarisch vorgestellt werden.

Beratung vor der Antragstellung und im Anerkennungsprozess

Als erste Anlaufstelle für Lehrer*innen mit einem internationalen Hochschulabschluss gibt es neben dem Landesamt für Schule und Bildung die Informations- und Beratungsstellen Arbeitsmarkt Sachsen (IBAS)[1]. Die IBAS berät bereits vor der Antragstellung und während des gesamten Anerkennungsprozesses.

Die Bearbeitungszeit des Antrags auf „Feststellung der Gleichwertigkeit von im Ausland erworbenen Nachweisen mit einer Befähigung für die Ausübung des Lehrerberufes im Freistaat Sachsen“ beträgt derzeit im Durchschnitt 16 Monate. Der Bescheid, den die Antragstellenden dann erhalten, informiert über Ablehnung, teilweise Gleichwertigkeit oder – in sehr seltenen Fällen – volle Gleichwertigkeit. Erst durch den Bescheid erfahren die Antragstellenden, ob es für sie eine Möglichkeit gibt, in Sachsen als Lehrer*in arbeiten zu dürfen und ggf. welche Anpassungsmaßnahmen dafür absolviert werden müssen.

Weiterqualifizierung während der Wartezeit auf den Bescheid

Die Wartezeit auf den Bescheid kann überbrückt werden durch die Teilnahme an Angeboten des Projekts „Brückenkurse und Qualifizierungsbegleitung für migrierte Akademiker*innen in den Bereichen Soziale Arbeit, Pädagogik und Erziehung“ am Zentrum für Forschung, Weiterbildung und Beratung an der Evangelischen Hochschule Dresden (bereits vorgestellt in E&W Ausgabe 10-2021). Auch für Pädagog*innen mit internationalen Abschlüssen, für die die Anerkennung kein geeigneter Weg ist, weil sie beispielsweise kein in Sachsen unterrichtetes Fach studiert und gelehrt haben, eignet sich die Teilnahme.

Das Kursangebot des Projektes am ehs Zentrum umfasst unter anderem den „Brückenkurs Soziale Arbeit, Pädagogik und Erziehung“. In dem dreimonatigen Kurs, der 2022 in zwei Durchläufen von März bis Mai sowie von September bis November stattfinden wird, erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die Berufsfelder Soziale Arbeit und Pädagogik in Sachsen und bauen die entsprechende Fachsprache aus.

Zum Brückenkurs sagt Mehmet Kilinç, Englischlehrer aus Istanbul, der jetzt als Lehrer an einer Sekundarschule in Bitterfeld arbeitet: „Der Brückenkurs hat mir neue Wege aufgezeigt. Ich war jemand, der das System und die deutsche Sprache nicht sehr gut kannte, und ich versuchte mich zurechtzufinden. Wie kann ich mich hier in das System einbringen? Der Kurs hat es mir gezeigt. Mit den persönlichen Beratungen bin ich dem, was ich wollte, ein Stück nähergekommen.“

Im vierwöchigen „Orientierungskurs Schule“ sammeln International ausgebildete Lehrer*innen Informationen zum sächsischen Schulsystem, zu individuellen beruflichen Möglichkeiten im pädagogischen Bereich und zum Anerkennungsverfahren für Lehrer*innen. Der Kurs findet 2022 vom 13.06. bis zum 16.07. statt. In beiden Kursformaten finden Exkursionen an potentielle Arbeitsorte statt.

Hiam Alhamad, Grundschullehrerin aus Syrien, die zurzeit Schulassistentin an einer Grundschule in Sachsen ist, berichtet: „Durch die Besuche in Schulen, Kindergärten und anderen Arbeitsorten und durch die Workshops, erhielt ich viele Informationen über die vielen Bereiche, in denen ich arbeiten könnte. Darüber hinaus war das allgemeine Klima des Kurses sehr angenehm und die Teilnehmer waren freundlich und nett. All dies machte das Lernen besser, einfacher und angenehmer.“

Im „Online-Infokurs für Lehrer*innen im Anerkennungsverfahren“ tauschen sich die Teilnehmenden mit anderen Antragsteller*innen aus. Sie lernen Möglichkeiten und Strategien zur Nutzung der Wartezeit kennen und erhalten Informationen, was sie tun müssen, wenn sie den Bescheid des LaSuB bekommen. Der Infokurs findet 2022 an folgenden Terminen statt: 22.01., 19.03., 21.05., 09.07., 10.09., 12.11.

Lehrer*innen mit internationalen Hochschulabschlüssen, die noch am Anfang des Prozesses stehen und sich über ihre beruflichen Möglichkeiten im pädagogischen Bereich in Sachsen informieren wollen, können am „Infokurs Berufswege für Lehrer*innen“ oder am „Infokurs Wege in die Kita“ teilnehmen. Diese Kurse werden online durchgeführt und dauern jeweils zwei halbe Tage. Die Termine sowie weitere Informationen zum gesamten Kursangebot: 
www.ehs-dresden.de/iq-projekt

Die Kursangebote zeichnen sich unter anderem durch die Zusammensetzung der Gruppen aus: Diese sind in Bezug auf Herkunftsland und Alter der Teilnehmenden heterogen, aber homogen in Bezug auf Profession und Berufserfahrung. Dadurch wird ein Fachaustausch möglich und die Teilnehmenden erleben eine Stärkung ihres professionellen Selbstbewusstseins.

Das schildert Emma Henrixon, Sozialarbeiterin aus Schweden, die jetzt als Sozialpädagogin in einem Verein arbeitet: „Wichtig für mich war die Teilnahme an einem Kurs, der sich inhaltlich durchgehend auf Menschen mit Migrationserfahrung konzentrierte und bei dem die Sprache zu meinem Deutschniveau passte. Im Brückenkurs ging es auch um Stärkung der Gruppenzugehörigkeit, Reflexion und Empowerment, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.“

Rechtsberatung und Vernetzung

Während des Anerkennungsprozesses stellen sich international ausgebildete Pädagog*innen die Frage, wo sie rechtliche Unterstützung erhalten und mit Menschen in ähnlichen Situationen in Austausch kommen können. Das „Netzwerk Pädagog*innen für die Migrationsgesellschaft“ bietet eine kostenfreie Beratung zum Anerkennungsverfahren und zu rechtlichen Fragen an. GEW-Mitglieder können zudem während des gesamten Anerkennungsprozesses die Rechtsberatung der GEW nutzen. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn:

  • gesetzliche Fristen nicht eingehalten werden,
  • die antragstellende Person einen Fehler im Anerkennungsbescheid vermutet,
  • während der Ausgleichsmaßnahme Hilfe benötigt wird oder
  • es rechtliche Fragen zu Einstellung und Verbeamtung gibt.

Für die sachsenweite Vernetzung gibt es zwei Netzwerke: das „Netzwerk für geflüchtete und migrierte Lehrer*innen“ und das Netzwerk „Pädagog*innen für die Migrationsgesellschaft“. Auch durch den oben erwähnten „Infokurs für Lehrer*innen im Anerkennungsverfahren“ am ehs Zentrum werden Austausch und Vernetzung ermöglicht.

Wie kann dem sächsischen Lehrer* innen-Mangel ähnlich konstruktiv und weltoffen begegnet werden wie dem allgemeinen Fachkräftemangel in Sachsen?

Teilen Sie die Informationen und die Übersicht zu den Unterstützungsangeboten gern mit international ausgebildeten Akademiker*innen in der Elternschaft Ihrer Institution, in Vereinen und Gemeinden oder im Bekannten- und Freundeskreis! Weisen Sie sie auf die IBAS, auf das IQ-Projekt und auf die GEW hin. Und fragen Sie die internationalen Kolleg*innen nach ihrer Berufsbiografie und danach, was sie als migrierte Lehrer*innen in Sachsen brauchen. Weil Sachsen sie in den Schulen braucht!

Die Übersicht zu den Unterstützungsangeboten für Lehrer*innen im Anerkennungsprozess findet sich online unter: 
https://t1p.de/b8ct

Lisa Gulich, Irene Sperfeld
RefAMI

[1] Kontakt zur IBAS
IBAS – Informations- und Beratungsstellen Arbeitsmarkt Sachsen
https://www.netzwerk-iq-sachsen.de/annerkennung
 Tel.: 0351 43707040
E-Mail: anerkennung(at)exis(dot)de