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Vor und zurück. Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus eines Jahrhunderts, das nicht enden will

Im Oktober 2016 konstituierte sich die Junge GEW Leipzig neu. In den darauffolgenden Wochen begann unter anderem die Vorbereitung und Planung von drei Veranstaltungen im Rahmen von Vor und zurück. Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus eines Jahrhunderts, das nicht enden will. Die Anberaumung und Umsetzung fand im Frühjahr 2017 statt.

30.09.2017

Am 21. April sprach Benjamin Ortmeyer zum Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSBL). Über diesen geschichtlich informiert zu sein, ist besonders für Kolleg*innen in der GEW von Interesse, da er als unmittelbare Vorläuferorganisation der Lehrkräfte in Deutschland zu begreifen ist. Der NSLB war wichtiges Instrument des NS-Staates in Schulen und anderen Erziehungseinrichtungen. Beleuchtet wurden Geschichte, Bedeutung und inhaltliche Ausrichtung sowie Nachwirkung nach 1945. Aufgrund der Bedeutungsschwere fand die Veranstaltung reges Interesse und brachte mit etwa 40 Besucher*innen und Mitgliedern eine lebhafte Diskussion zu Stande. Darüber hinaus zeigte sich StuRadio, eine Radiosendung des Student*innenRats der Uni Leipzig, interessiert und machte einen Audiomitschnitt der Veranstaltung, welcher in Auszügen im lokalen Radio Blau in der darauffolgenden Woche gesendet wurde.

Zwei Kolleg*innen, Jérôme Buske und Alex Brandl, teamten am 06. Mai den Tagesworkshop: Zur Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. Dieser Workshop richtete sich unabhängig von Alter und Beruf gezielt an Menschen, die im Bildungsbereich tätig sind. Angesprochen fühlten sich 10 Teilnehmer*innen, was der begrenzten Kapazität mit gutem Betreuungsschlüssel entsprach. Am Tagesende zeigten sich alle Beteiligten sehr zufrieden und bekundeten die Hoffnung auf eine Fortsetzung mit anderen Interessierten.

Am 19. Mai sprach Franziska Krah zu Antisemitismusforschung in der Weimarer Republik und stellte Ergebnisse vor, die in der Publikation ihrer Dissertation enthalten sind: „Ein Ungeheuer, das wenigstens theoretisch besiegt sein muß“. Pioniere der Antisemitismusforschung in Deutschland (Campus-Verlag 2016). Auch dieser Abend fand breite Beachtung. Die Buchvorstellung ermöglichte Einblicke in die Studie, die ein Stück Kultur- und Wissenschaftsgeschichte zugleich bietet. Darüber hinaus wurde versucht einen Bogen zur Geschichte des Abwehrkampfs gegen den Antisemitismus bis 1933 zu schlagen. Denn bereits in der Weimarer Republik existierte profundes Wissen über Antisemitismus, das jedoch den Abwehrkampf gegen den antisemitisch motivierten Nationalsozialismus nicht allein bestreiten konnte. Wie im Falle der ersten Veranstaltung, wurde auch diese von StuRadio aufgezeichnet und gesendet.

In diesem Sinne und in dieser Gegenwart ist die Veranstaltungsreihe zu Antisemitismus als wichtiger Beitrag zur politischen Bildungsarbeit aufzufassen. Denn keineswegs ist antisemitische Ideologie ein einzig gestriges Massenphänomen der deutschen Gesellschaft. Ernst genommen werden muss die gängige Schulhofbeschimpfung „Jude“ oder dechiffrierte Anspielungen. Solcherlei Ausdruck wird thematisch oftmals erschreckend wenig beachtet, ist jedoch nicht minder brisant und relevant. Eine zukünftig enge Kooperation, die Unterstützung im Aufbau der GEW-Hochschulgruppe und die Bündelung personeller Ressourcen waren erste Ergebnisse der Treffen mit dem Bereich Hochschule und Forschung (HuF). Das Zustandekommen der GEW-Hochschulgruppe wurde am 16. Mai gebührend zelebriert und lud etwa 50 interessierte Gäste zu Pizza und Getränk. Auch der Ansatz in die Gewerkschaft rückzuwirken, kann als begonnen betrachtet werden. So kam es zu einigen Diskussionen mit älteren Kolleg*innen und manche erschien zu den Veranstaltungen.

Die gemachte Erfahrung und Kooperationen mit den verschiedenen lokalen Bereichen kann als zufriedenstellend und äußerst aussichtsreich aufgefasst werden.

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