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Gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wird 25

Vor 25 Jahren, am 25. August 1995, stellte der Verein Aktion Courage e. V. gemeinsam mit den Schirmherren Ignatz Bubis (Vorsitzender des Zentralrats der Juden), dem Politiker Cem Özdemir und dem Musiker Smudo das Projekt „Schule ohne Rassismus“ (damals noch ohne den Zusatz „Schule mit Courage“) in der Bundespressekonferenz in Bonn vor.

01.10.2020 - Reingard Brendler Bildungs- und Projektreferentin - (E&W Sachsen Ausgabe 10/2020)

Fünf Schulen traten dem Netzwerk im ersten Jahr bei. 25 Jahre später sind es bundesweit schon 3.370 „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“. An all diesen Schulen hat sich mindestens eine Zweidrittelmehrheit der Schüler*innen, Pädagog*innen und Mitarbeitenden verpflichtet, bei Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit hinzusehen und mit eigenen Aktionen für eine Gesellschaft, in der die Würde aller Menschen zählt, einzutreten.

Tausende Projekttage für eine diskriminierungssensible Schulkultur
In den vergangenen 25 Jahren haben Schüler*innen und Pädagog*innen an Courage-Schulen mehr als 25.000 Projekttage, Fortbildungen, Demonstrationen, Plakataktionen, Theateraufführungen und Konzerte organisiert. Mehr als fünf Millionen Menschen haben daran teilgenommen. Schüler*innen und Pädagog*innen setzen sich so für eine Gesellschaft ein, in der die Menschenrechte für alle gelten.
Für ein Bildungswesen, in dem die Erfolgsaussichten im Leben nicht davon abhängen, wo eine Person herkommt, was sie hat oder wie sie aussieht. Cem Özdemir sagt deswegen heute rückblickend: „Damals haben wir ein Projekt aus der Taufe gehoben, von dem wir nicht wissen konnten, welche Bahnen es einmal ziehen wird. Ich bin stolz, wenn ich sehe, wie neue Generationen von Schüler*innen das Projekt weitertragen in die Zukunft – wo es auch hingehört.“
Für Sanem Kleff, die die Leitung des Courage-Netzwerks seit dem Jahr 2000 innehat, ist „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ein wichtiger Baustein, um strukturelle Diskriminierung ebenso wie Menschenfeindlichkeit an Schulen von innen anzugehen: „Rassismus und Diskriminierung müssen zu schulfähigen Themen werden. Nur so befähigen wir die Kinder und Jugendlichen, ihre eigene Haltung zu entwickeln, aktiv gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit vorzugehen und ein respektvolles Miteinander zu leben.“ Damit das gelingt, werden die Schüler*innen von 16 Landeskoordinationen in allen Bundesländern und weiteren 94 Regionalkoordinationen in sieben Bundesländern unterstützt.

Die Koordinationsstellen begleiten die Schulen dauerhaft, beraten bei Projekttagen, vermitteln Workshops, Seminarangebote und Fortbildungen, unterstützen bei Konflikten und vernetzen die Schüler*innen in der Region und im Bundesland untereinander.
Aufgrund der Corona-Pandemie feiert das Courage-Netzwerk das Jubiläumsjahr noch bis zum 31. Dezember 2020 unter #schulemitcourage25 digital. An Courage-Schulen finden zahlreiche eigene Jubiläumsaktionen statt. Der Festakt in Berlin zum 25-jährigen Jubiläum ist ins Jahr 2021 verschoben.  
www.schule-ohne-rassismus.org


Neuigkeiten vom Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Sachsen

Das Projekt:
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR) bietet Schüler*innen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, gesellschaftliches Engagement zu entwickeln und gemeinsam mit ihrer Schule ein öffentliches Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen.
Das Projekt ist mit über 3.300 Schulen und zwei Millionen Schüler*innen (Stand: Juli 2020), das größte Schulnetzwerk in Deutschland, in dem über eine Million Schüler*innen involviert sind. Träger in Sachsen ist dafür die Courage-Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e. V.
(www.netzwerk-courage.de/sachsen).

Jede Schule kann den Titel erwerben, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllt:
Mindestens 70 Prozent aller Menschen, die im Akteursfeld Schule lernen, lehren und arbeiten (Schüler*innen, Lehrer*innen, technisches Personal etc.) verpflichten sich mit ihrer Stimmabgabe, sich künftig gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen, Vorfälle aufzuarbeiten und regelmäßig Projekte zum Thema durchzuführen.

Wer sich zu den Zielen einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage bekennt, unterschreibt folgende Selbstverpflichtung:

  1. Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.
  3. Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe einer Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

Gemeinsam mit einer Patin/einem Paten, oft sind das Personen aus den Bereichen Kunst, Politik, Medien oder Sport, werden die Anliegen der Schule nach außen und innen unterstützt und umgesetzt.

In Sachsen gibt es seit 1997 über 90 SoR-Schulen und es werden stetig mehr. In Sachsen wird Schule ohne Rassismus von dem Verein „Courage-Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V.“ koordiniert. Wir unterstützen die Schulen auf dem Weg zur Titelerlangung, bei der Umsetzung von Veranstaltungsideen und organisieren regelmäßige Vernetzungstreffen mit anderen Courage-Schulen aus Sachsen, um sich auszutauschen, zu inspirieren, zu vernetzen und fortzubilden. Dazu ist Sachsen neben einer Landeskoordination in fünf Regionalkoordinationen aufgeteilt, um die Schulen vor Ort intensiv unterstützen, beraten und begleiten zu können.
http://www.schule-ohne-rassismus.org/wer-wir-sind/landeskoordinationen/sachsen/

Instagram: schule_mit_courage_sachsen
SoR wird in Sachsen unterstützt vom Sächsischen Ministerium für Kultus.

Neu in Sachsen: Wir freuen uns auf Grundschulen im Netzwerk!
Uns als Courage-Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e. V. erreichen immer wieder Anfragen von Grundschulen, die Unterstützung für die Demokratiebildung ihrer Grundschüler*innen suchen.
Um dem gerecht zu werden, haben wir in Sachsen ein Konzept erstellt, um zukünftig einfacher Grundschulen in das Netzwerk aufnehmen zu können. Dafür wurden beispielsweise Materialien sprachlich vereinfacht, wie die Selbsterklärung der Schüler*innen, damit auch Grundschüler*innen diese verstehen.
Zudem bieten wir den Pädagog* innen und Lehrer*innen künftiger Courage-Grundschulen eine kostenfreie Fortbildung zu „vorurteilsbewusster Erziehung“ an, die eigens dafür konzipiert wurde. Diese setzt sich mit Hintergründen, Ideen und Expertisen in dem Bereich vorurteilsbewusste Erziehung auseinander, um die persönlichen und fachlichen Kompetenzen der begleitenden Pä-dagog*innen zu stärken.
Das bundesweite Netzwerk arbeitet schon mit verschiedenen Grundschulen zusammen. In Sachsen sind bislang jedoch nur eine Grundschule und ein Förderschulzentrum für Grundschüler*innen Mitglied.

„Wir freuen uns auf weitere Grundschulen in unserem sächsischen Netzwerk. Demokratieerziehung kann gar nicht früh genug beginnen, wenn wir Diskriminierung und Rassismus in der Gesellschaft abbauen wollen. Gerade in dem jungen Alter beginnen sich Vorurteile und Stereotype zu manifestieren, die später zu Diskriminierung führen können. Meine Kolleg*innen und ich freuen uns darauf, Grundschulen darin zu unterstützen, dem entgegenzuwirken.“, so Marlene Jakob, Landeskoordinatorin von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.

Seit August 2020 gibt es ein neues Aufnahmeverfahren, welches auch für Grundschulen sehr gut umsetzbar ist. Interessierte Schulen der Primarstufe können sich gerne jederzeit an uns wenden und finden hier unsere Kontaktdaten:
www.netzwerk-courage.de/sor

Reingard Brendler
Bildungs- und Projektreferentin