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Lehrer*innenbildungLehrer*innenbildung in der Diskussion

„Die Debatte um Lehrerbildung ist immer im Fluss, kennt keinen Stillstand.“ Mit diesen Worten sei hier Prof. Ewald Terhart zitiert, der am 25. Januar 2020 vor etwa 60 Teilnehmenden über die Lehrerbildung und ihre Reform: Stand, Probleme und Perspektiven sprach.

01.03.2021 - Dr. Monika Diecke, AG Lehrer*innen-Bildung - (E&W Sachsen – Ausgabe 02 / 2021)

Nun schreiben wir das Jahr 2021.

Aus der heutigen Perspektive erscheint es ein Glücksfall, dass dieser gelungene Fachtag – eine der letzten Präsenzveranstaltungen der GEW-Sachsen in 2020 – stattgefunden hat. Die dann folgenden Monate haben unser aller Alltag und die Bedingungen in der Schule sowie auch an den lehrerbildenden Einrichtungen stark verändert.
Im Moment geht es sehr viel um Digitalisierung der Schulen und wie die pandemiebedingten Belastungen für die Lehrenden abgefedert werden können. Wie erfolgreiches Lernen und Studieren überhaupt abgesichert werden können.

Und so hat es ein Jahr gedauert, bis die ausführliche Dokumentation des Fachtages vorlag.
Die AG Lehrer*innen-Bildung will mit dieser Dokumentation und ihren Empfehlungen daran erinnern, dass es immer noch etwas zu tun gibt auf dem Gebiet der Lehreraus- und Weiterbildung.
Es ist jetzt an der Zeit, sich von der „Corona-Lähmung“ zu befreien und die Anregungen und Ideen von damals wieder aufzugreifen.

Die hier genannten Empfehlungen der AG Lehrer*innen-Bildung wurden aus den Ergebnissen der Diskussionsrunden während des Fachtages abgeleitet und laden dazu ein, an der weiteren Professionalisierung von Erstausbildung (1. und 2. Phase) sowie beruflicher Fortbildung (3. Phase) mitzuwirken:

1.    Ungeachtet der Tatsache, dass gegenwärtig politisch ein Landeslehrerbildungsgesetz nicht zu erwarten ist, soll das Lehramtsstudium in Sachsen weiter novelliert und modernisiert werden. Die GEW sollte sich weiter für einen Wechsel von der Schulartorientierung zur Stufenorientierung stark machen:

  • a. Umsetzung des Modellversuches zur Einführung eines gemeinsamen Lehramtes Sekundarstufe I und II an der Universität Leipzig, wie es im aktuellen Koalitionsvertrages vereinbart wurde.
  • b. Einführung eines erweiterten Grundschullehramtes um ein Sekundarschulfach (Primarstufe+), mit entsprechender Anpassung der Regelstudienzeit auf zehn Semester, ggf. auch als Modellversuch.

2.    Querschnittsthemen wie Demokratiebildung, Medienkompetenz, Inklusion, Nachhaltigkeit & Klimaschutz sollen über obligatorische Modulziele in den Curricula der Lehramtsstudiengänge verankert werden. Diese Modulziele können in allen Bereichen des Lehramtsstudiums verankert sein (Fachwissenschaften, Fachdidaktik, sonderpädagogische Förderschwerpunkte, Bildungswissenschaften und Praxisphasen), sollen aber im Studienverlauf jedes Lehramtsstudienganges zu finden sein. Wahlobligatorische Ergänzungsstudien genügen nicht. Auch Lehrende an den Universitäten und den Lehrerausbildungsstätten müssen spezifische Fortbildungsangebote erhalten.

3.    Erste, zweite und dritte Phase könnten besser voneinander profitieren. Dies setzt auch die Schaffung entsprechender Lehrkapazitäten an den Universitäten voraus. Lehrveranstaltungen an den lehrerbildenden Universitäten sollten zur Fortbildung für Lehrkräfte aus den Schulen geöffnet werden.

4.    Seiteneinsteiger*innen stellen oftmals eine Bereicherung an sächsischen Schulen dar. Deren didaktische Qualifizierung muss in einem universitären Programm erhalten bleiben. Gleichzeitig ist dafür Sorge zu tragen, dass durch Seiteneinsteiger*innen an den Schulen während der Qualifizierungsphase keine Funktionen (z.B. Klassenleiter*innen) übernommen werden.

5.    Der Freistaat Sachsen entwickelt in Zusammenarbeit mit den lehrerbildenden Universitäten, den Lehrerausbildungsstätten und dem Landesamt für Schule und Bildung ein systematisches Programm zur Anerkennung und Qualifizierung für Bewerber*innen mit einer ausländischen Berufsqualifikation. Dafür wird eine eigene Beratungs- und Begleitungsstelle mit Dolmetscherdienst geschaffen.

6.    Bezüglich der Praktika ist nicht nur die Quantität, sondern v. a. die Qualität von entscheidender Bedeutung. Dazu benötigen Mentor*innen in den ersten beiden Phasen der Lehrer*innenbildung entsprechende Ressourcen (Zeit, didaktische Anforderungen zum Umgang mit Praktikant*innen etc.). Die Unterstützung der Mentor*innen seitens der Universitäten und des Landesamtes für Schule und Bildung ist dabei unabdingbar.

Damit dies gelingt, initiiert die GEW Sachsen mit ihren Netzwerkpartnern ein Arbeitsprojekt beginnend in 2021. Dieses Arbeitsprojekt recherchiert systematisch und legt einen Entwurf vor, in dem die Kompetenzziele und Inhalte der Lehrer*innen-Bildung den drei Phasen zugeordnet werden.
Der Entwurf kann öffentlich diskutiert werden.

Dr. Monika Diecke
AG Lehrer*innen-Bildung