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SchuleGesundheitsschutz und Bildungsgerechtigkeit sind wichtiger als Abschlussprüfungen

Das Festhalten an den Abschlussprüfungen ignoriert die unterschiedlichen Lernbedingungen der Schüler*innen ebenso wie gesundheitliche Risiken für alle Beteiligten.

26.03.2020

Die KMK hat am 25. März den Beschluss gefasst, dass die Prüfungen, “insbesondere die schriftlichen Abiturprüfungen, [...] zum geplanten bzw. zu einem Nachholtermin bis Ende des Schuljahres [stattfinden], soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist.” Der ganze Beschluss ist hier nachzulesen.

Die GEW Sachsen kritisiert, dass an Abschlussprüfungen festgehalten wird, ohne zu bedenken:

  • dass nach der Ankündigung der KMK nun ein erhöhter Druck für Schüler*innen und ihre Lehrer*innen entsteht, sich auf Prüfungen vorzubereiten, obwohl heute niemand weiß, ob diese in diesem Schuljahr tatsächlich durchgeführt werden,
  • dass die derzeitigen Lernbedingungen der Schüler*innen höchst unterschiedlich sind. Dieser Umstand betrifft nicht nur die Anbindung an schnelles Internet sondern auch die Ausstattung mit privaten Geräten, die räumlichen Bedingungen oder die Unterstützungsmöglichkeiten von Eltern, 
  • dass bei einer Fokussierung auf schriftlichen Prüfungen Benachteiligungen für Schüler*innen entstehen, die besondere Stärken im mündlichen Bereich haben,
  • dass die Organisation und Durchführung der Abschlussprüfungen einschließlich der damit verbundenen Korrekturen und Aufgabenerstellungen die Schulen schon in normalen Zeiten vor enorme Herausforderungen stellen. Diese sind in diesem  Schuljahr nicht neben all den Anforderungen zu bewältigen, die sich aus einer schrittweisen Wiederaufnahme des Normalbetriebes bzw. aus der Weiterführung des jetzigen Unterrichts ergeben,
  • dass das Alter der ausgebildeten Lehrkräfte insbesondere an sächsischen Oberschulen so hoch ist, dass die Prüfungen personell nicht abzusichern sind, ohne die sog. Risikogruppe einzubeziehen und damit ggf. Fürsorgepflichten zu verletzen,
  • dass sich Zweifel an der Wertigkeit der unter schwierigen Bedingungen absolvierten Prüfungen nicht mit politischen Verlautbarung ausräumen lassen. 

Wir alle hoffen, dass sich die Pandemie durch die derzeitigen Maßnahmen eindämmen lässt. Für ausgefallene Prüfungen finden sich Lösungen. Für eine gesundheitliche Gefährdung von Schüler*innen und Lehrer*innen nicht.