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Weckruf der GEW SachsenFür offene Kindertageseinrichtungen und Schulen

Der Landesvorstand der GEW Sachsen richtet sich mit einem „Weckruf” an die sächsische Bevölkerung und Politik: Damit Infektionen nachhaltig sinken, benötigen wir eine ernsthafte Kraftanstrengung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Nur dann können und müssen Kitas und Schulen als Erstes vollständig öffnen.

24.04.2021

Für offene Kindertageseinrichtungen und Schulen

Weckruf des Landesvorstandes der GEW Sachsen

Wir sind Lehrerinnen und Lehrer, wir sind Pädagogische Fachkräfte und Hochschulangehörige. Wir wissen, wie wichtig Bildungsangebote in Präsenz für Kinder und Jugendliche sind. Wir wissen, dass Kinder Kinder und Jugendliche Jugendliche brauchen. Wir halten es für unerträglich, dass für manches Mädchen oder manchen Jungen die Kindertagesstätte oder Schule der einzige sichere Zufluchtsort ist und dieser Ort für sie nun wieder schließt. Uns sind die Nöte von Eltern bewusst - auch weil wir selbst Mutter oder Vater, Tante oder Onkel, Großmutter oder Großvater sind.

Wir wollen kein ewiges Hin und Her zwischen Öffnungen und Schließungen. Wir wollen weder das immer wieder nötige kurzfristige Umorganisieren noch die pausenlose doppelte und zum Teil dreifache Belastung unserer Kolleginnen und Kollegen. Wir wollen keine Debatten über den Umfang des Notdienstes, über die Probleme des Online-Lernens oder über Prüfungen, auf die sich sowohl junge Menschen als auch wir Lehrkräfte intensiv vorbereitet haben. 

Weil wir wissen, wie wichtig Bildung für die ganz persönlichen Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen und für die Gesellschaft als Ganzes ist, treiben uns die entstandenen und entstehenden Lerndefizite, die dringend notwendigen sozialen Kontakte mit Gleichaltrigen und die zunehmende Benachteiligung mit großer Sorge um. 

Es ärgert uns, dass nicht wahrgenommen wird, dass trotz aller Einschränkungen kaum eine Kindertagesstätte oder Schule in Sachsen komplett schließt. Und es empört uns, dass unsere Kolleginnen und Kollegen sich Kritik für Entscheidungen ausgesetzt sehen, die sie selbst nicht getroffen haben. Dafür, dass sie die Arbeit mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen als Berufung empfinden und dafür, dass sie ihrer Verantwortung trotz eigener Sorgen und hohem Mehraufwand tagtäglich mit großem Engagement gerecht werden, gebührt ihnen stattdessen öffentliche Anerkennung.

Ja, wir wollen offene Kindertagesstätten und Schulen! Wir können aber nicht die Augen vor der besorgniserregend großen Zahl der Neuinfektionen in unserem Land, gerade auch bei Kindern und Jugendlichen verschließen. Wir würden unserer Verantwortung nicht gerecht, wenn wir auf die Probleme nicht immer wieder hinweisen würden und wenn wir es wegen des Gegenwindes unterließen, konsequent für den Schutz der Gesundheit aller Beteiligten einzutreten.

Ja, unsere Forderungen nach einer landesweiten Regelung zu Masken, unsere Forderung nach Wechselunterricht, nach regelmäßigen Tests und nach Impfangeboten für Pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte wurden inzwischen erfüllt. Dennoch: In diesem Land sind wir immer noch gezwungen, wegen der grassierenden Ansteckungen mit dem Coronavirus auf die tägliche Bettenbelegung in Krankenhäusern zu starren.

Solange trotz eines erhöhten Ansteckungsrisikos

  • Arbeitgeber keine Durchsetzung der Heimarbeit befürchten müssen,
  • Tests in Betrieben keine Selbstverständlichkeit sind,
  • nächtliche Ausgangssperren stärker als die Bildung von Kindern und Jugendlichen diskutiert werden, 
  • das Shoppingerlebnis, die Familienfeier oder der Urlaub im Ausland unverzichtbar sind,

solange

  • Abstände vergessen oder ignoriert werden,
  • Kinder und Jugendliche in zu vollen Bussen und Bahnen sitzen und
  • Luftfilter in Einrichtungen fehlen

wird Bildung in dieser für alle Menschen schweren Pandemie nicht die Priorität eingeräumt, die ihr gebührt.

Sichere und durchgängig offene Bildungseinrichtungen haben ihren Preis. Diesen können die Beschäftigten nicht allein bezahlen. Er ist von der gesamten Gesellschaft zu tragen! Die öffentliche Diskussion und die nach wie vor hohen Infektionszahlen zeigen, dass die Bereitschaft, diesen Preis zu zahlen, noch immer nicht ausreichend vorhanden ist.

 

Landesvorstand der GEW Sachsen

Bautzen/ Chemnitz/ Dresden/ Leipzig/ Zwickau, den 24. April 2021