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KitaDie Abgabe des Gesundheitsschutzes an der Kita-Tür

Sieben Monate nach der behördlichen Schließung der Kindertageseinrichtungen arbeiten Erzieher*innen in Sachsen beinahe wieder wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Während wir Erwachsenen uns an das Tragen von Mund-Nasen-Masken, regelmäßiges Hände Desinfizieren und Abstandhalten im öffentlichen Raum gewöhnt haben, ist dies bei der Betreuung von kleinen Kindern in Kitas und Horten praktisch kaum umsetzbar.

01.10.2020 - Susanne Richter, Organisationssekretärin Bezirksverband Leipzig - (E&W Sachsen Ausgabe 10/2020)

In einer Gesundheitsbestätigung versichern Eltern, dass ihre Kinder keine COVID-19-ähnlichen Krankheitssymptome aufweisen – dies soll die Grundlage für sicheres Arbeiten in den Einrichtungen schaffen. An der Kita-Tür prüfen daher nun pädagogische Fachkräfte auf Schnupfnasen, trockenen Husten und Körpertemperatur.
 
Seit Beginn der Pandemie fordern die Gewerkschaften zusammen mit den Beschäftigten die Sicherung des Gesundheitsschutzes von Erzieher*innen in den Kitas, Horten und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Dass sich die Betreuung von kleinen Kindern und Abstand halten schwer vereinbaren lassen, stellt dabei niemand in Frage. Trotzdem müssen Arbeitgeber*innen dafür sorgen, dass der Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten gewährleistet wird.

Die Lösung dieses Dilemmas liegt aus Sicht der pädagogischen Fachkräfte und der GEW klar auf der Hand: In Arbeitsbereichen mit engem Kontakt zu anderen Menschen müssen die Beschäftigten regelmäßig die Option haben, sich auf das Virus testen zu lassen. Lehrer*innen an sächsischen Schulen haben seit Juni die Möglichkeit, sich ein Mal pro Woche freiwillig und kostenfrei auf das Corona-Virus testen zu lassen – ein Angebot, auf das sächsische Erzieher*innen bisher vergebens warten.

In anderen Bundesländern sieht es beim Thema Corona-Tests für pädagogische Fachkräfte anders aus: Erzieher*innen in Brandenburg, Berlin, Thüringen, Hamburg und Hessen beispielsweise können sich kostenfrei testen lassen. In Sachsen hingegen hatten die Beschäftigten aus Pflege- und Betreuungseinrichtungen im September einmalig die Möglichkeit, sich kostenfrei auf das Virus testen zu lassen – vorausgesetzt, sie kamen in diesem Zeitraum symptomfrei aus dem Urlaub zurück. Der Freistaat wollte damit absichern, dass die Fachkräfte den Virus nach ihrem Sommerurlaub nicht in die Einrichtungen tragen. Langfristig sind regelmäßige Tests für Erzieher*innen jedoch noch immer nicht vorgesehen.

Die zu Beginn der Pandemie befürchteten Ansteckungswellen in den Kindertages-Einrichtungen blieben bisher aus und es ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich belegt, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Virus  spielen – dies hebt jedoch die Verantwortung der Arbeitgeber*innen gegenüber ihren Beschäftigten nicht auf. Daher bleibt die regelmäßige Testung von Erzieher*innen auf das Corona-Virus weiterhin eine Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.  


Susanne Richter
Organisationssekretärin
Bezirksverband Leipzig