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Click CritiqueInitiative für gerechte Bedingungen in der Sozialen Arbeit

Seit März dieses Jahres arbeiten wir mit der GEW in Dresden zusammen, mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit zu verbessern. Wir – Jule, Marie, Hannah, Maya und Annekatrin – sind Studentinnen im Masterstudiengang Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Dresden.

 

01.12.2019 - Matthes Blank, Gewerkschaftssekretär BV Dresden - (E&W Sachsen Ausgabe 12/2019)

Angefangen hat das Projekt damit, dass wir uns dafür entschieden haben, das innerhalb des Masterstudiums obligatorische Interventionspraktikum nicht unbezahlt in einer Einrichtung zu absolvieren, sondern uns stattdessen mit den Arbeitsbedingungen in unserem Berufsfeld auseinander zu setzen. Denn der Masterstudiengang an unserer Hochschule ist so konzipiert, dass über zwei Semester je einen Tag pro Woche ein Praktikum in einem Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit absolviert werden muss, welches in der Regel gar nicht bzw. höchstens mit einer Aufwandsentschädigung vergütet wird. Dies führte in unserem Semester zu regem Widerstand, da wir alle bereits einen Berufsabschluss vorzuweisen haben und dennoch gezwungenermaßen unentgeltlich arbeiten sollen.

Nach einem Referat zum Thema Empowerment bildete sich unsere Gruppe mit der Idee, auch „empowernd“ für das eigene Berufsfeld und sich selbst einzustehen. Dies führte dazu, dass wir uns inhaltlich nicht nur auf das unbezahlte Praktikum beschränken, sondern uns im Rahmen des Interventionspraktikums mit den Bedingungen in der Sozialen Arbeit allgemein auseinandersetzen wollten. Mit der GEW war schnell der passende Praxispartner gefunden, der unsere Idee von Anfang an gut und unterstützenswert fand: Vor Ort durch das GEW-Bezirksbüro in Dresden, aber auch auf Bundesebene. Björn Köhler, der Verantwortliche des Geschäftsführenden Vorstandes für den Organisationsbereich Jugendhilfe/Sozialarbeit (und selbst von Haus aus Sozialarbeiter), erklärte sich als Mentor bereit. Damit war unsere Initiative für gerechte Bedingungen in der Sozialen Arbeit mit dem Namen „Click Critique“ geboren.

Schon zu Beginn wurde uns bewusst, dass es für Verbesserungen in unserem Arbeitsfeld mehr Menschen braucht, die sich ebenfalls dafür einsetzen wollen. Bei unserer ersten Aktion am Internationalen Tag der Sozialen Arbeit im Frühjahr, baten wir Studierende unserer Hochschule aufzuschreiben, welche Interessenvertretungen für die Soziale Arbeit ihnen bekannt sind. Dabei wurde klar, dass viele Studierende gewerkschaftliche Interessenvertretung und auch die GEW kaum im Blick haben. Unter anderen aus diesem Grund fand im Juni eine erste Veranstaltung an unserer Hochschule zu diesem Thema statt, bei welcher Matthes Blank, Gewerkschaftssekretär in Dresden, die GEW und Gewerkschaftsarbeit allgemein vorstellte. Eine weitere Veranstaltung mit dem Titel „Der Wert Sozialer Arbeit und der Kampf um Anerkennung“ am 6. November mit Björn Köhler ging darüber hinaus noch einmal auf die Besonderheiten der Profession „Soziale Arbeit“ und die subjektive Wahrnehmung der Anforderungen und Ressourcen ihres Berufes durch Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen ein. Deutlich wurde das fehlende Wissen um eine gewerkschaftliche Interessenvertretung. Diese spiegelt sich in der Praxis in einem geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad wider.

Im Oktober fand dann ein erstes Vernetzungstreffen mit Beschäftigten aus der Praxis statt, bei welchem wir uns über individuelle und arbeitsfeldübergreifende Problemlagen ausgetauscht haben. Dabei ging es in erster Linie um unangemessene Bezahlung, Fachkräftemangel, befristete Arbeitsverträge, unsichere Finanzierung sowie eine geringe Wertschätzung unserer Tätigkeit und eine oftmals fehlende Selbstvertretung.

Bei dem Folgetreffen einen Monat später wurde dann gemeinsam beschlossen, ein Positionspapier für die Soziale Arbeit zu erstellen. Darüber hinaus kümmern sich nun aktive Praktiker*innen um unsere weitere Vernetzung und die Organisierung von Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen. Als erstes Ziel planen wir eine öffentlichkeitswirksame Aktion zum Internationalen Tag der Sozialen Arbeit am 17. März 2020.

Zusätzlich zu den Vernetzungstreffen ist die Gründung einer eigenen GEW-Arbeitsgruppe für Soziale Arbeit geplant.

Und etwas hat Click Critique bisher schon bewirken können: Nach der Neu-Akkreditierung des Masterstudiengangs Soziale Arbeit wird es das Interventionspraktikum an der Evangelischen Hochschule ab 2021 in dieser Form nicht mehr geben.

Für weitere Informationen, Möglichkeiten zur Beteiligung, zur Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch, meldet Euch unter:
clickcritique(at)gmx(dot)net oder matthes.blank(at)gew-sachsen(dot)de


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Nächstes Vernetzungstreffen:
12. Dezember 2019, 18:00 bis 20:00 Uhr, GEW-Bezirksbüro, Cottaer Straße 4, 01159 Dresden

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