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GesundheitFrische Luft zum Atmen

Die Pandemie zwingt uns, über manche Angewohnheit neu nachzudenken. Luft im Klassenraum ist ein wichtiges Thema, jetzt in aller Munde, noch vor einem Jahr wenig Interessenten findend. Die Empfehlung an uns Lehrerinnen und Lehrer lautet: lüften, lüften, lüften.

01.01.2021 - Ingolf Matz, AG Gesundheit der GEW Sachsen Mitglied im LHPR - (E&W Sachsen - Ausgabe 01 / 2021)

Und sie ist richtig – aber nicht nur zu Pandemiezeiten. Wir können uns jetzt ganz leicht informieren. Das Internet ist voller Informationen, auch von Firmen, die sich mit Lüftungssystemen befassen (und sie verkaufen wollen). Aber auch wissenschaftliche Arbeiten lassen sich in großer Zahl und zum Teil Jahre zurück liegend finden.  Luftqualität ist für guten Unterricht und natürlich die Gesundheit entscheidend.

Heute stehen Aerosole im Fokus. Der Kohlendioxid (CO2)-Anteil der Luft ist als Indikator für die Qualität der Luft gut geeignet. Und er ist auch ohne Pandemie bedeutend. In Räumen mit hohem (CO2)-Anteil gibt es auch andere Schadstoffe z. B. aus Möbeln, Fußbodenbelägen usw. sowie Geruchsbelästigungen. Ein hoher (CO2)-Anteil behindert die Sauerstoffaufnahme. Unterrichtsräume sind wegen der hohen Nutzerzahl und langen Aufenthaltsdauer hinsichtlich der CO2-Konzentration besonders aufmerksam zu betrachten.

Heute dürfen nach Aussage des SMK Unterrichtsräume, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen, nicht mehr verwendet werden. Aber was ist mit den Räumen, in denen die Fenster sich zwar öffnen lassen, aber beispielweise Straßen- oder Baulärm eine Öffnung während des Unterrichts verhindern? Technische Lösungen müssen her, wenn wir die altehrwürdigen Schulgebäude, die sich oft genug auch an viel befahrenen Straßen befinden, weiter als Schulen nutzen wollen. Preiswert ist ein solcher Ansatz isoliert betrachtet nicht, aber sehr rentabel. Krankheiten und schlechte Lernergebnisse sind teurer.
In einer Befragung der GEW Sachsen zu Problemen der Pandemie in den Schulen vom 12. bis 22.11.2020, gab ein Drittel der 1011 Teilnehmenden an, in Räumen ohne Lüftungsmöglichkeit zu unterrichten. Immer noch!

Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben schon vor Jahren Schulräume in Sachsen vermessen und auf Grundlage der vorhandenen Arbeitsplätze Lüftungsintervalle berechnet. Sie finden sich in den Gefährdungsbeurteilungen, die jährlich (Grundschulen alle zwei Jahre) für die Schulleitungen angefertigt werden. Unser aller Interesse daran war wohl nicht sehr hoch. Lüften stört den Unterrichtsfluss. Das zeigt auch die o. g. Umfrage. Lüften wird von 80 % der Kolleginnen und Kollegen als Hauptbelastung unter allen Corona-Schutzmaßnahmen angegeben.

Aber es gibt schon lange auch andere Argumente. Aus einer Studie 2006/07 unter Leitung von Dr. G. Tiesler (Uni Bremen) ergab sich, dass vorher festgelegte kurze Lüftungspausen etwa in der Mitte einer Unterrichtsstunde einen messbaren Erholungseffekt aufwiesen und leistungsfördernd wirkten. Probieren wir es aus. Auch nach Corona. Zum Lüften braucht es Motivation bei allen Beteiligten.

Luftqualität und Lernerfolg stehen – und das sollte inzwischen völlig unstrittig sein – in einem engen Zusammenhang. Schülerinnen und Schüler, die durchgängig bei guter Luftqualität lernen können (Luftqualität ist dabei von der Raumtemperatur nicht zu trennen), gewinnen einen großen Vorsprung. Lehrerinnen und Lehrer haben ein einfacheres Arbeiten. Erhöhte Kohlendioxidwerte in Unterrichtsräumen sind eine Ursache verminderter Leistungsfähigkeit bei Schülern. Müdigkeit und Konzentrationsschwächen sind die auffälligsten Zeichen.  Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien und Aussagen dazu. P. Wargocki u. a. veröffentlichten in „Bauen und Umwelt“ in diesem Jahr eine Analyse solcher Studien.

Danach führte eine Senkung des (CO2)-Anteils von 2.100 ppm auf 900 ppm zu einer 12 % höheren Geschwindigkeit und 2 % weniger Fehler bei Leistungstests von Schülern.

Faktencheck

  • (CO2)-Anteil in der Luft wird in ppm angegeben (ml/m3),
  • In der Außenluft beträgt der (CO2)-Anteil etwa 400 ppm
  • In geschlossenen Räumen sind Werte unter 1.000 ppm erstrebenswert , darüber sind Maßnahmen erforderlich (s. Tabelle)
  • Pro Stunde atmet ein sitzender Mensch etwa 15 bis 20 Liter CO2 aus
  • Alleinige Lüftung in den Pausen reicht nicht aus (s. Diagramm)
  • Zentrale mechanische Lüftungsanlagen sind perspektivisch die beste Lösung

Technische Regel für Arbeitsstätten Lüftung ASR A3.6:

CO2-Konzentration in ppm

Maßnahmen

< 1000

keine weiteren Maßnahmen erforderlich, wenn durch die Raumnutzung kein Konzentrationsanstieg über 1000 ppm zu erwarten ist

1000-2000

Lüftungsverhalten überprüfen und verbessern

Lüftungsplan aufstellen

Lüftungsmaßnahme

> 2000

weitergehende Maßnahmen erforderlich (z. B. verstärkte Lüftung; Reduzierung der Personenzahl)

Ingolf Matz
AG Gesundheit der GEW Sachsen Mitglied im LHPR