GEW Sachsen
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Ausblick auf 2022 Ein neues Jahr mit vielen Aufgaben

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu. Manche*r von uns wird aus beruflichen oder ganz persönlichen Gründen froh sein, dass es endlich zur Vergangenheit wird. Für andere war es – trotz Corona – ein ganz besonders glückliches. Auch 2021 haben sich Menschen verliebt, wurden Familien gegründet, gab es schöne Urlaube, Zusammentreffen mit Freunden und lieben Verwandten, beeindruckende Erlebnisse usw. usf. Hoffen wir, dass wir viele der schönen Momente nach 2022 mitnehmen können und hoffen wir, dass wir einige der Probleme zurücklassen können.

17.12.2021 - Uschi Kruse, Landesvorsitzende (E&W Sachsen – Ausgabe 12/2021)

Zusammenhalt und Solidarität werden wir zur Bewältigung der vielen Aufgaben, die vor uns als GEW Sachsen stehen, jedenfalls auch 2022 dringend benötigen.

Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst

Nach der Kündigung zum 31. Dezember 2021 müssen die Tätigkeitsmerkmale tariflich neu geregelt werden. Eingruppierungen, die den Anforderungen besser gerecht werden, werden uns die Arbeitgeber nicht schenken. Auf die Tarifrunde für die Beschäſtigten der Länder wird Anfang des Jahres eine ebenfalls schwierige Auseinandersetzung für die Pädagogischen Fachkräſte in den Kommunen folgen. Die Verhandlungen mit der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sollen im Januar beginnen.

Doppelhaushalt 2023/24

Dass der jetzt geltende Doppelhaushalt den Bedingungen an den Bildungseinrichtungen nicht gerecht wird, erleben wir täglich an den Einrichtungen. Für kleinere Gruppen/Klassen, für Entlastung, für mehr Personal oder mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse muss im Doppelhaushalt 2023/24 deutlich mehr Geld bereitgestellt werden. Zwar ist die Steuerschätzung für Sachsen im November 2021 viel besser ausgefallen als noch im Mai vorhergesagt. Leicht wird es indes nicht, die Haushaltspolitiker*innen der CDU davon zu überzeugen, dass Sparen am Ende auch sehr teuer werden kann.

Der sächsische Finanzminister machte in seinem Statement zu den erwarteten Einnahmen schon einmal deutlich, dass seines Erachtens „für neue Ausgabenwünsche …weiterhin keine finanziellen Spielräume vorhanden [sind] – ganz im Gegenteil.“ Es gilt für uns alle also, die Ärmel hochzukrempeln.

Sozialindex

Dass Einrichtungen in herausfordernden Lagen besonders unterstützt werden sollen, wurde mit Beschluss des Landtages am 21.07.2021 endlich deutlich gemacht. Bis zum 31.03.2022 sollen – so die Entscheidung – „fachliche Empfehlungen zur Ausgestaltung multi-professioneller Teams“ und „Modelle für eine sozialindexbasierte Ressourcensteuerung“ erarbeitet werden. Wir haben seit langem für eine gezielte Unterstützung geworben. Allerdings wollen wir keine bessere personelle Ausstattung für einige wenige „anstatt“. Wichtig ist, dass die Mangelwirtschaſt überall beendet wird und dass Kitas und Schulen, die besondere Probleme zu bewältigen haben, darüber hinaus unterstützt werden. An der Diskussion werden wir uns aktiv beteiligen. Ihr Ergebnis muss sich in mehr Haushaltsstellen widerspiegeln.

Inklusion und Digitalisierung

Diese zwei Themen werden im kommenden Kalenderjahr intensiv diskutiert werden. Egal wie man sie bildungspolitisch bewertet, die Rahmenbedingungen sind aktuell zu schlecht, um breite Teile der Bevölkerung und die Mehrheit der Beschäſtigten zu gewinnen. Im Zwischenbericht zum Projekt „Begleitung des Aufbaus von Kooperationsverbünden für schulische Inklusion in Sachsen“ konstatiert die Hochschule Zwickau Görlitz auf S. 93 „Sowohl die Befragungen als auch die Auswertung der Protokolle … weisen darauf hin, dass die größten Herausforderungen bzw. Hindernisse für einen gelingenden Aufbau der Kooperationsverbünde …in den Rahmenbedingungen gesehen werden: Zu wenig Zeit, zu wenig Personal und unzureichende Ausstattung. Wenn man dies noch in Bezug zu weiteren korrespondierenden Kategorien wie Überforderung/Überlastung und aufwendige Verwaltungsstrukturen setzt, wird hier ein eindeutiges Belastungselement deutlich.“

Und in ihrer Studie „Digitalisierung im Schulsystem 2021 …“ macht die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaſten der Universität Göttingen, auf Seite 246 auf folgendes aufmerksam: „Solange die Arbeitsbedingungen von Lehrkräſten durch sehr hohe Stundenverpflichtungen und eine hohe Arbeitsintensität geprägt bleiben, ist der Spielraum für Innovationen in der Schule gering. Die Überforderung von Lehrkräſten darf die Zukunſtsgestaltung nicht gefährden. Die Corona-Phase hat einmal mehr seit langem bekannte Trends und Bewälti-gungsmechanismen des Schulsystems offengelegt: Das ‚Arbeiten am Limit‘ war bereits vor der Pandemie verbreitet, es gefährdet die Gesundheit von Lehrkräſten und macht den Beruf unattraktiv – Schwierigkeiten bei der Lehrkräſteversorgung sind die Folge.“

Corona

Die Pandemie wird uns – da bin ich mir leider sicher – im neuen Jahr noch eine geraume Zeit beschäftigen. Wie stark die Einschränkungen im Bildungsbereich sein werden, ist noch nicht voraussehbar. Dass uns das Virus erneut viel abverlangen wird, ist allerdings klar. Nicht nur das Infektionsgeschehen ist zum Jahresende besorgniserregend, sondern auch die Schärfe der Auseinandersetzungen. Die Gräben sind tiefer geworden und machen weder vor Familien noch vor Lehrer- bzw. Dienstzimmern Halt. Manche Bemerkung wird ob der Größe der Enttäuschung lange irritierend in Erinnerung bleiben. Deshalb brauchen wir kluge Wege uns wieder anzunähern – auch im Bildungsbereich.

Wir haben am Ende schließlich mehr Gemeinsames als Trennendes. Daran sollten wir uns erinnern: Für ein gutes und glückliches 2022.

Uschi Kruse
Landesvorsitzende