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Schule

Arbeitszeitstudie: Sächsische Lehrkräfte überschreiten ihre Arbeitszeit deutlich

Am 5. Oktober, dem Weltlehrer*innentag, wurden die ersten Ergebnisse der Studie zu Arbeitsbelastung und Arbeitszeit sächsischer Lehrkräfte im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Uschi Kruse, Dr. Frank Mußmann und Dr. Thomas Hardwig bei der Pressekonferenz zur Arbeitszeitstudie am 5. Oktober 2022

Knapp 1.500 Kolleg*innen füllten den sehr umfangreichen Fragebogen im Juni und Juli vollständig aus. Dafür möchten wir uns auch im Namen des wissenschaftlichen Studienteams der Universität Göttingen herzlich bedanken!
Aktuell liegen insbesondere die Daten zur Arbeitszeit vor. Außerunterrichtliche Tätigkeiten, verschiedene Belastungsfaktoren und das Thema Digitalisierung werden noch bis zum Jahresende ausgewertet. Die GEW Sachsen wird die Ergebnisse mit ihren Mitgliedern, mit Personalräten und insbesondere mit dem Kultusministerium diskutieren.
 

Das Presseecho zu den ersten Ergebnissen macht bereits klar, dass auch die Bevölkerung ein starkes Interesse hat, dass sich die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften verbessern. Wir werden nicht ablassen, dies zu verdeutlichen und die Politik zu Lösungen und Kompromissen zu bewegen. Mit den Ergebnissen der Studie setzen wir die Arbeitszeitkampagne „Höchste Zeit für mehr Zeit“ fort.

Unsere Pressemitteilung, die kommentierte Präsentation der aktuellen Ergebnisse und einige Links zum Presseecho sind unter www.gew-sachsen.de/arbeitszeit zu finden.

Flächendeckende Mehrarbeit ist der Normalzustand

Bei der Untersuchung der Wochenarbeitszeit wird das Jahresmittel pro Schulwoche bei Vollbeschäftigung gebildet. Die Ferien sind dabei bereits berücksichtigt, weshalb es zu einer vorgeschriebenen (Soll-) Wochenarbeitszeit von über 40 Stunden kommt. 

In den drei untersuchten Schularten in Sachsen wurde 2022 die vorgeschriebene Wochenarbeitszeit im Durchschnitt deutlich überschritten. Mehr als ein Drittel (36 %) der Vollzeitkräfte in Sachsen überschreiten dabei die gültige Arbeitsschutznorm von 48 Stunden pro Woche.

Arbeitsbelastungen erhöhen Gesundheitsrisiken 

Die Studienergebnisse zeigen, dass sächsische Lehrerinnen und Lehrer nicht nur deutlich mehr Arbeit leisten, als sie vertraglich schulden. Sie sind auch hoch belastet. Burnout-Indikatoren zeigen, dass sie hohe Gesundheitsrisiken tragen.
 

Unterricht nimmt nur noch ein Drittel der Tätigkeit ein

Die Befunde der Studie bestätigen dabei den bundesweiten Trend, dass der Arbeitsalltag von Lehrkräften nur noch zu einem Drittel durch das Unterrichten bestimmt wird und stattdessen andere (außerunterrichtliche) Aufgaben immer mehr Raum einnehmen. Allein für ein Bündel von zwanzig „neuen Aufgaben“ wenden Lehrer*innen in Sachsen inzwischen 10:50 Stunden pro Woche auf.

Es besteht dringender Handlungs­bedarf

Das Forschungsteam sieht aufgrund der Studie dringenden Handlungsbedarf. So unter anderem bei der Entlastung von Lehrkräften und Schulleitungen, z. B. durch Deputatsreduktion, Abgeben von Aufgaben an andere Berufsgruppen oder das Priorisieren und der Wegfall von Aufgaben. Hochbelastete Lehrkräfte und ältere Lehrkräfte müssten gezielt entlastet werden.
 

Für die GEW Sachsen ist es nun unerlässlich, dass die Landesregierung diese Ergebnisse ernst nimmt und ihrer Fürsorgepflicht nachkommt. Die Belastung von Lehrkräften und Schulleitungen muss endlich auf ein ertragbares Maß sinken. Dazu gehören eine Entschlackung des Lehrplans und die Reduktion der Aufgaben, die Einführung der Klassenleiterstunde, ein deutlicher Ausbau der Unterstützungssysteme wie Schulassistenz, Schulpsycholog*innen und Schulsozialarbeit und mehr Anstrengungen für die Gewinnung von Lehrkräften.
 


Eines ist klar: Mit Blick auf die Ergebnisse zur Arbeitszeit, zur Belastung und dem Burn-Out-Risiko würden Mehrbelastungen den Lehrkräftemangel nicht beheben, sondern nur noch verschlimmern.
 

Burkhard Naumann
Referent für Tarif- und Beamtenpolitik
burkhard.naumann(at)gew-sachsen(dot)de

 

Info – Rahmendaten der Studie:
Die Studie „Arbeitszeit und Arbeitsbelastung sächsischer Lehrkräfte 2022” wird von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen unter Leitung von Dr. Frank Mußmann durchgeführt und von der GEW Sachsen gefördert (www.kooperationsstelle.uni-goettingen.de). Untersucht wurden öffentliche Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien in Sachsen. Aufgrund fehlender Referenzdaten bisheriger Studien und der hohen Diversität ist die Untersuchung von Förderschulen, Berufsbildenden Schulen sowie Schulen in Freier Trägerschaft im Rahmen dieser Studie nicht möglich (vgl. E&W Sachsen 06/2022, S. 8 f.).
Untersucht wurden 1.473 vollständig ausgefüllte Fragebögen von aktiven Lehrkräften aus dem Zeitraum 27. Juni bis 29. Juli 2022. Das entspricht gut 6 % der 23.843 Lehrkräfte in Sachsen (Grundgesamtheit).

Sie repräsentieren ein Viertel der sächsischen Schulen: jedes zweite Gymnasium, jede dritte Oberschule und jede sechste Grundschule. Zur Repräsentativität: Die Stichprobenstruktur ist bezüglich Schulform, geografische Verteilung, Geschlecht und Vertragsstatus hinreichend ausgewogen. Das Sample ist 3 % weiblicher und umfasst 3 % mehr Teilzeitkräfte als die sächsische Grundgesamtheit. Bei der Altersverteilung ist zu beachten, dass das Sample strukturell jünger ist als die Grundgesamtheit. Die Qualität des Feldzugangs, die Quantitäten sowie strukturelle Verteilung ermöglichen mit diesen Einschränkungen repräsentative Befunde auf Landesebene. Die geographische Verteilung ist gut: Die 300 Schulen, von denen Lehrkräfte teilgenommen haben, verteilen sich auf alle sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte.

Kontakt
Burkhard Naumann
Referent für Tarif- und Beamtenpolitik / Internetredaktion
Adresse Nonnenstraße 58
04229 Leipzig
Telefon:  0341 4947-415
Mobil:  0152 02125880