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    Pressemitteilung 15-2005

    vom 14. Juli 2005

    GEW Sachsen warnt vor voreiligen Schlüssen -
    Erste Stellungnahme der Bildungsgewerkschaft zur Vorinformation zu PISA-E 2003


    Der Landesverband Sachsen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die heute in Berlin veröffentlichten Vorinformationen zum innerdeutschern Ländervergleich im Rahmen des zweiten PISA-Zyklus’ aus dem Frühjahr 2003 zur Kenntnis genommen, warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen hinsichtlich möglicher Ursachen für die dargestellten Testergebnisse . Eine angemessene Interpretation dieser Ergebnisse ist nach Auffassung der GEW Sachsen erst auf der Basis des ausführlichen Berichts, der für den 03. November 2005 angekündigt ist, möglich.
    Die im Vorbericht enthaltenen Informationen entsprechen weitgehend den Erwartungen der GEW Sachsen, da absehbar war, dass keine grundlegenden Verschiebungen im Leistungsgefüge der deutschen Schüler/innen zwischen den einzelnen Bundesländern in einem so kurzen Zeitabstand zum ersten PISA-Test im Jahre 2000 möglich sein werden.
    Das relativ gute Abschneiden sächsischer Schüler/innen im zweiten PISA-Zyklus, der den Schwerpunkt auf die mathematischen Kompetenzen legte, zeichnete sich bereits im ersten Test im Jahre 2000 ab. Schon dort waren die Ergebnisse sächsischer Schüler/innen im Bereich der mathematischen Kompetenz besser als im Bereich der damals im Mittelpunkt stehenden Lesekompetenz. Dass sich letztere nicht wesentlich verbessert hat, sollte z. B. gründlicher analysiert werden – ebenso wie die Ursachen für die nach wie vor zu großen sozial bedingten Unterschiede im Leistungsspektrum.
    Sabine Gerold, GEW-Landesvorsitzende: „Die GEW betrachtet solche Vergleichsstudien, die nur einen Teil der Kompetenzen testen, die Schülerinnen und Schüler erwerben sollen, sehr kritisch. Dennoch sind die PISA-Studien hinsichtlich der getesteten Kompetenzen, insbesondere aber hinsichtlich der in diesem Zusammenhang erfassten Hintergründe der schulischen Bildung in den einzelnen Ländern, sehr aufschlussreich. Für uns steht deshalb der Kontext, unter dem bestimmte schulische Leistungen erbracht werden, im Vordergrund der Betrachtung. Insofern ist nicht der jeweilige Platz, den ein einzelnes Bundesland in einer Rankingliste erreicht, für uns entscheidend, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen die Schüler/innen im jeweiligen Bundesland lernen und damit die getesteten Kompetenzen auch erwerben können.“
    Nach Auffassung der GEW sind vor allem die nach wie vor großen Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen der einzelnen Bundesländer erschreckend und offenbaren das Dilemma der bildungspolitischen Kleinstaaterei in Deutschland. Es sei deshalb dringend erforderlich, endlich mehr gesamtstaatliche Verantwortung für den Bildungsbereich wahrzunehmen und tatsächlich gleiche Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten. Allein die Tatsache, dass Schüler/innen in Deutschland – je nachdem, in welchem Bundesland sie leben – schon vom Umfang her ein sehr unterschiedliches Unterrichtsangebot erhalten* und die einzelnen Bundesländer ihre Schulsysteme sehr unterschiedlich ausgestalten und auch finanzieren, ist ein Defizit, das offensichtlich das nur mittelmäßige Abschneiden Deutschlands im internationalen Vergleich wesentlich mit begründet.
    Hier müssen nach Meinung der GEW Sachsen die bildungspolitischen Veränderungen ansetzen. Die Auffassung der Kultusministerkonferenz, dass der Wettbewerb zwischen den Bundesländern der einzig richtige Weg zur Erhöhung des Niveaus der schulischen Bildung in Deutschland insgesamt ist, teilt die GEW nicht. Dieser falsche Ansatz verschärft eher die Diskrepanzen zwischen den Bundesländern und vernebelt vor allem den Blick auf den internationalen Vergleich und auf die gemeinsame Verantwortung für die Sicherung gleicher Bildungschancen in Deutschland.
    „Das erneute gute Abschneiden der sächsischen Schüler/innen im innerdeutschen Vergleich ist in erster Linie der guten pädagogischen Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer in den sächsischen Schu-len geschuldet, die sie unter z. T. wenig motivierenden Rahmenbedingungen Tag für Tag leisten. Auch die stärkere Beschäftigung mit der Aufgabenkultur der ersten PISA-Testreihe hat sich sicher positiv auf die jetzt erreichten Ergebnisse ausgewirkt. Als Ergebnis besonderer schulpolitischer Anstrengungen im Freistaat Sachsen können die Testleistungen aus dem Jahre 2003 jedenfalls nicht bewertet werden“, unterstreicht die GEW-Landesvorsitzende.
    Die GEW Sachsen wird sich mit den Ergebnissen des zweiten innerdeutschen Vergleichs der schulischen Leistungen 15-jähriger Schüler/innen auf der Grundlage des vollständigen Berichtes intensiver beschäftigen.
    letzte Aktualisierung: 27.01.2006 12:06 Uhr
     
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