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Gewerkschaftstag 2011 |

Mehr als 200 Delegierte und Gastdelegierte trafen sich vom 31. März bis 02. April in Schöneck/Vogtland zum 7. Ordentlichen Gewerkschaftstag des Landesverbandes Sachsen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Gewerkschaftstag, der diesmal unter dem Motto „BILDUNG ist MEHR WERT!“ stand, ist das höchste Organ der Bildungsgewerkschaft. Er findet alle vier Jahre statt, diskutiert und beschließt über grundsätzliche Fragen der gewerkschaftlichen Arbeit in allen Bildungsbereichen und führt die Vorstandswahlen durch.
Nachdem vor vier Jahren die Wiederherstellung der pädagogischen Berufe als Vollzeitberufe durch die Beendigung der beschäftigungssichernden Tarifverträge und Vereinbarungen im Mittelpunkt der Beratungen stand, waren es diesmal die Arbeits- und Einkommensbedingungen im Bildungsbereich – von den Kitas bis zu den Universitäten - und die Sicherung des pädagogischen Nachwuchses.
Zur Eröffnungsveranstaltung waren zahlreiche Gäste der Einladung der GEW gefolgt – auch Kultusminister Prof. Wöller nahm eine Stunde an der Veranstaltung teil und sprach ein kurzes, wenig inhaltsreiches Grußwort. Die anwesenden Vertreter/innen der Fraktionen der demokratischen Parteien im Landtag debattierten dafür umso intensiver und über weite Strecken sogar erstaunlich einmütig in einer Podiumsdiskussion über den anstehenden Generationenwechsel im Bildungsbereich. Unter dem Motto „Alte entlasten – Junge einstellen!“ erörterten sie fast zwei Stunden lang und unter Beteiligung der Delegierten die jetzige und die zukünftige Personalstruktur im Bildungsbereich, die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften und Erzieher/innen, die zunehmenden Belastungen sowie die fehlende Anerkennung der pädagogischen Berufe, die Anforderungen an die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte für die frühkindliche und die schulische Bildung und dringend notwendige Schritte zur gesellschaftlichen und tariflichen Aufwertung der pädagogischen Berufe.

Die Delegierten brachten ihre klaren Erwartungen an die Bildungs- und Finanzpolitik zum Ausdruck: Ein Generationenvertrag für den Bildungsbereich, der nicht die Konkurrenz, sondern das Miteinander von jungen und älteren Lehrkräften fördert, ist mehr als überfällig. In den pädagogischen Nachwuchs muss jetzt investiert werden. Wir brauchen mehr Lehrerstellen im Vorbereitungsdienst und verbindliche Einstellungskorridore in allen Schularten. Die Einstellung junger Lehrerinnen und Lehrer darf nicht auf Kosten der älteren Lehrkräfte erfolgen, sondern muss mit einer Entlastung der älteren Lehrkräfte durch neue Altersteilzeitangebote verbunden werden.
Am ersten Beratungstag standen vor allem die Bilanz der bildungs- und tarifpolitischen Arbeit der GEW in den zurückliegenden vier Jahren sowie Probleme der Bildungsfinanzierung auf der Tagesordnung. Der zu dieser Debatte anwesende GEW-Bundesvorsitzende Ulrich Thöne wies dabei insbesondere auf die Gefahren der aktuellen Steuerpolitik und der sog. „Schuldenbremse“ für die Bildungsfinanzierung hin, verdeutlichte anhand zahlreicher Beispiele die Schieflage bei der Umverteilung der Einkommen und erläuterte die Vorschläge der GEW zur Stärkung der Einnahmen der öffentlichen Haushalte.
Der zweite Beratungstag stand zunächst ganz im Zeichen der kurz zuvor erzielten Einigung in der Ländertarifrunde und der dazu erfolgten Befragung der GEW-Mitglieder, deren Ergebnis an diesem Tag bekannt gegeben wurde. In intensivem Dialog mit der GEW-Verhandlungsführerin in der bundesweiten Tarifrunde, Ilse Schaad, nahm der Gewerkschaftstag eine Bewertung der Ergebnisse der aktuellen Ländertarifrunde vor und leitete daraus Konsequenzen für die weitere tarifpolitische Arbeit der GEW ab. Trotz großer Enttäuschung über den Tarifabschluss haben die GEW-Mitglieder mehrheitlich für dessen Annahme votiert und werden nun für die fehlende Lehrer-Entgeltordnung weiter kämpfen. Die Bundestarifkommission der GEW wird bis zum Herbst die Strategie zur Durchsetzung erneuter Verhandlungen über eine Lehrer-Entgeltordnung abstimmen. Die neue tarifliche Öffnungsklausel für landeseigene Altersteilzeit wird die GEW in Sachsen jetzt sehr schnell nutzen und den Freistaat Sachsen zu entsprechenden Tarifverhandlungen auffordern. Kurzfristig werden wir uns dazu mit den anderen beteiligten Gewerkschaften über das weitere gemeinsame Vorgehen in dieser Frage verständigen.
Ebenfalls am zweiten Beratungstag diskutierten die Delegierten über die Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit in den Organisationsbereichen Jugendhilfe / Sozialarbeit und Hochschule / Forschung sowie über die Konsequenzen der UN-Behindertenrechtskonvention für die weitere Entwicklung des Schulsystems in Sachsen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Arbeitssituation der Lehrkräfte. Sie verabschiedeten dazu ein Positionspapier, das auch die von der CDU-FDP-Koalition angestrebte „Oberschule“ in die Überlegungen zur Entwicklung eines inklusiven Schulsystems einbezieht. Das Papier soll nun bis zum Ende des Jahres intensiv mit den Mitgliedern diskutiert werden.
Am dritten Beratungstag beschäftigte sich der Gewerkschaftstag mit den Defiziten des Sächsischen Personalvertretungsgesetzes, mit der Vorbereitung der Personalratswahlen 2011 in Sachsen und mit organisationsinternen Fragen wie der Mitgliederentwicklung und Anpassungsprozessen in der regionalen Gliederung der GEW Sachsen.
Parallel zu den Beratungen der inhaltlichen Anträge fanden die Vorstandswahlen sowie die Wahlen der Kassenprüfer/innen und der Landesschiedskommission statt.
Der neue Geschäftsführende Vorstand:

v.l.n.r.
Dr. Rainer Riedel, Uschi Kruse, Bert Haase, Dr. Sabine Gerold, Marco Unger, Lutz Stephan,
Uwe Preuss, Ingolf Matz, Katrin Daßler, Jürgen Thamm (nicht im Bild)
Wahlergebnisse des Gewerkschaftstages zum Download |
| letzte Aktualisierung: 20.04.2011 16:52 Uhr |
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